1.11.1945
F.z.S.
2.11.1945
F.z.S. Nachmittags angefangen den Russendreck wegzuschaffen.
3.11.1945
F.z.S. Heute hat Herr Belgerund unser Turnlehrer den Abschied erhalten. Es scheint
mir fast so, als ob die K.P.D. systematisch die höheren Schulen vernachlässigen will.
Nachmittags Aufräumungsarbeiten geleistet.
4.11.1945
Früh im Garten gegraben.
5.11.1945
F.z.S. Nachmittags altes Gerümpel der Russen verbrannt. Heute wurde Erwin von
der G.P.U. verhaftet. Nun bin ich nur noch allein übriggeblieben von der
"Bahnhofstraßenmeute". Werner ist tot, Karli ist auf Schifffahrt, Heinz und Erwin
sind verhaftet und Gerhard hat sich verduftet. Ich gehe vielleicht auch
türmen. Doch es fällt einem doch recht schwer Aken zu verlassen. Wenn es aber
sein muß, nun ja. Aber wenn es nicht notwendig ist möchte ich gern zu Hause
bleiben. Die Hafenkommandatur schmückt heute ihre Häuser zum Jahrestag der
Revolution in Rußland. Die Wände strotzen von roten Transparenten. Auf den
Giebeln weht der rote Lappen. Ein beleuchteter Sowjetstern und das bekannte
Stalinbild fehlt natürlich nicht. Und dann ca. 80 rote und weiße Glühbirnen
zu riesigen Girlanden gewunden "schmücken" die Häuser. Der ganze Kram wird
dann abends mit Scheinwerfern bestrahlt.
6.11.1945
F.z.S. Von 15 - 21 Uhr den Sprit bei Tante Schmidt destilliert. Heute hat der
"Herr Stadtkommandant" in ähnlicher Weise sein Haus schmücken lassen. Morgen
beginnt wohl der große Pomp. Das Proletariat hat ebenfalls mitgeholfen unser
Stadtbild zu verschönern. Das Kriegerdenkmal wurde eingenagelt, davor eine
große Tribüne errichtet, rechts und links davon die Revolutionsfahnen und in
der Mitte der Spruch: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Das Rathaus
ist in ähnlicher Weise beklebt. Unter den rot erleuchteten Fenstern des Akener
Silos ist zu lesen: "Friede ernährt!" Die Schuppen sind mit roten Plakaten
bepflanzt und an Stelle der weißen Nachtlampen sind rote eingeschraubt.
7.11.1945
"Nationaler Feiertag!!" Die Betriebe arbeiten nur bis 12 Uhr. Früh marschierte
schon eine "Musikkapelle" durch die Stadt. Die Häuser sind unter freiwilligem
Zwang mit roten Fahnen geschmückt. Am Nachmittag Demonstrationszug der Betriebe.
Wie eine Herde Schafe, die durch rote Tücher gelenkt wird.
8.11.1945
F.z.S. Heute haben wir einen Antrag mit 100 Unterschriften nach Halle geschickt
um die Wiedereinstellung von Herrn Belger zu erreichen.
9.11.1945
F.z.S. Heute sind es 22 Jahre her, seitdem die ersten Opfer der N.S.D.A.P. ihr
Leben hingaben. Kein Mensch erinnert daran.
10.11.1945
F.z.S. Nachmittags Russendreck weggeräumt. Er türmz sich auf unserem Hof
schon zu Bergen.
11.11.1945
Nachmittags mit Bernhard geknallt.
12.11.1945
F.z.S. Nachmittags Aufräumungsarbeiten geleistet.
13.11.1945
F.z.S. Nachmittags Lichtleitung ins Labor gelegt.
14.11.1945
Vormittags bei Tante Schmidt Sprit destilliert. Nachmittags in unsere Wohnung
eingeräumt. So langsam aber sicher kommen wir wieder in Ordnung. Abends wieder
zu Hause geschlafen.
15.11.1945
F.z.S. Auf unserem Boden wimmelt es in der Nacht vor Ratten. Die Russen müssen
sich scheinbar nur im Dreck wohlfühlen.
16.11.1945
F.z.S. Am Nachmittag Sachen eingeräumt.
17.11.1945
F.z.S. Nachmittags umgeräumt. Abends Labor sauber gemacht.
18.11.1945
Am Nachmittag die letzten Sachen von Behringers Zimmer geholt.Gegen Abend
Laboratorium eingeräumt.
19.11.1945
F.z.S. Das Wetter hat sich stark verschlechtert. Es ist kalt und stürmisch.
20.11.1945
F.z.S. Heute nieselt es ununterbrochen.
21.11.1945
F.z.S. Gegen Abend bei Tante Schmidt Schnaps zum Klären mit Holzkohle
versehen.
22.11.1945
F.z.S. Nachmittags Sprit destilliert und neuen angesetzt.
23.11.1945
Gegen Abend bei Herrn Schüpler Sprit angesetzt als Gegenleistung dafür, daß er
unsere Wohnung renoviert hat.
24.11.1945
F.z.S. Jetzt sollen die Schüler kontrolliert werden, ob sie auch nichts
Verdächtiges mit in die Schule bringen.
25.11.1945
Um 5 Uhr mit Inge ins Kino gegangen. "Vom Schicksal verweht" wurde gezeigt.
26.11.1945
F.z.S. Seit 14 Uhr schneit es ununterbrochen und die Landschaft sieht
ganz winterlich aus.
27.11.1945
F.z.S. Heute taut es und die Straßen sind ein einziger See.
28.11.1945
F.z.S. Mutti putzt Zuckerrüben. Seit etwa einer Woche läuft in Nürnberg der
Prozeß gegen die "Kriegsverbrecher". Die Feder sträubt sich und verweigert den
Dienst wenn ich die Anklagepunkte und die Verhandlungen zu Papier brächte.
29.11.1945
F.z.S. Nachmittags einen Weihnachtsbaum besorgt.
30.11.1945
Vormittags bei Eiternicks Sprit für mich destilliert. Abends mit Willi
die Muspresse geholt.