1.4.1945
Ostersonntag
Mit Bernhard Ostereierverstecken gemacht. Eine große Freude gewesen. Einige Zeit darauf
war er kurze Zeit alleine. Zum Teitvertreib hat er sich über eins der "bunten Kackeier"
erbarmt.
2.4.1945
Ostermontag
Nachmittags sehr schlehtes Wetter. Deshalb nicht weggegangen.
3.4.1945
Alarme
4.4.1945
Südlich Wien heftige Kämpfe. Im Westen Kämpfe in und um Rheine, Osnabrück, Herford und
Münster. Weitere Kämpfe in Süd-Westdeutschland.
5.4.1945
Zu Hause geblieben.
6.4.1945
Vom Kampfkommandant Akens, Major Biedermann, mit noch einigen Meldern dazu beauftragt,
im Falle der Gefahr durch feindliche Truppen, die leitenden Stellen Akens zu beachrichtigen.
Nachmittags mit Mutti Mist gefahren. Dann auf dem Rathaus Meldergeld für März ausgerechnet.
7.4.1945
Nachmittags Dung zum Garten gefahren.
8.4.1945
Früh zum K.K. Schießen mit Heinz Liebert. Hinter der I.G. nach allerhand Zielen geschossen.
9.4.1945
Am Tage nichts Besonderes. Abends eine Fahrkarte geholt.
10.4.1945
Früh zur Schule gefahren. Als die Schule beginnen sollte, war kleiner Alarm. Mit dem Rag
nach Hause gefahren.
11.4.1945
Früh versucht, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Unterweg von Tieffliegern überrascht. Am
Übergang der Eisenbah zur Zündholzfabrik eine Lokomoive zerschossen. Außerdem der
Heideflugplatz in Brand geschossen. Gegen Mittag eine Meldung nach Kühren gefahren.
Gegen 18:30 Uhr Feindalarm. Panzer sind in Schönebeck eingedrungen. Daraufhin mit Mutt
das Nötigste in den Keller geräumt. Vati ist zum Volkssturm eingezogen. Ich muß als Melder
des Bürgermeisters nach dem Rathaus. Abends noch viele Meldungen gefahren.Alle
Panzersperren werden geschlossen.
12.4.1945
Früh zur I.G. Farben gefahren. Armbinden für den Volkssturm geholt. Nachmittags mit einer
Meldung nach Diebzig gefahren. Im Westen heftiger Kanonendonner zu hören. Panzer in
Nienburg a.S. eingerückt. Am Abend nach dem Kahn gefahren. Dort über Nacht geblieben.
13.4.1945
Frühmorgens von unserem Liegeplatz (etwa 4 km elbabwärts der Stadt) zum Russendamm
gefahren. Alle Motorschiffe sollen nach Riesa gebracht werden. Am Nachmittag alles fertig
zur Abfahrt. Plützlich eine wüste Ummodelei. Hervorgerufen dadurch, daß die Feindpanzer
in Bias und südlich von Köthen stehen. Jetzt sollen alle Motorkähne Ladung nehmen und noch
Schleppkähne mitnehmen. Inzwischen ist es Abend geworden und wir fahren vorläufig mit unserem
und noch einigen anderen Kähnen zur Stärkefabrik und bleiben über Nacht dort. Währed der Nacht
starkes Artilleriefeuer im Norden zu hören.
14.4.1945
Morgens wieder nach Aken zurückgefahren. Ich bleibe in Aken. Auf dem Rathaus wieder als
Melder tätig.
15.4.1945
Den ganzen Tag auf dem Rathaus. Prima Verpflegung bekommen. Nachts auf dem Rathaus
geschlafen.
16.4.1945
Muttis Geburtstag. Am Tage Hochbetrieb auf dem Rathaus. Abends Bekanntmachungen über die
Stromversorgung angeklebt. Gegen Mittag mit Dora und Inge gesprochen.
17.4.1945
Kanonendonner rückt immer näher. Jetzt hört man schon den Abschuss, das Heulen und dann
den Einschlag der Granaten. Nicht mehr zum Rathaus gegangen. Sehr schönes Wetter. Am frühen
Nachmittag am Damm gespielt. Gegen 4 Uhr erneuter Feindalarm. Gegen 6 Uhr haben die
amerikanischen Truppen den Südausgang der Stadt erreicht. Ein heftiges Gefecht mit
Infanteriewaffen entbrannt. Am Abend herrscht wieder Ruhe. Die Panzer stehen in der
Köthener Straße.
18.4.1945
Gegen Morgen herrscht Ruhe. Um 10 Uhr begann die deutsche Artillerie die Panzer in der
Köthener Straße zu beschie0en. Am Vormittag mit Gerhard in Opas Garten Karten gespielt.
Um 13 Uhr begann der feindliche Artilleriebeschuß auf die Stadt selbst. Durch Volltreffer
ging u.a. die Graupenmühle in Flammen auf. Sie brannte in mehreren Tagen, bis auf das Kontor,
vollständig aus. Abschließend an den Beschuß erfolgte ein Jagdbomberangriff mi Bomben und
Bordwaffen. Daraufhin wurden die Panzersperren geöffnet und Aken ergab sich. Gegen 5 Uhr
konnten wir die Keller verlassen. und uns mit den amerikanichen Soldaten unterhalten. Wir
können in unseren Wohnungen bleiben; dürfen hedoch von 7 Uhr Abends bis 7 Uhr Morgens unsere
Häuser nicht verlassen. Unser Haus (Anm.: Bahnhofstr. 10 "Alte Post") erhielt durch die
Bordwaffen der Jabos zwei Treffer ins Badezimmer. Das Stalldach erhielt ca. acht Treffer,
jedoch nur Maschinengewehrkugeln. In unserer Nähe sind ca. zehn Granaten explodiert, davo
zwei etwa zehn Meter von unserem Haus entfernt. Bei dem Beschuß am Mittag wurde mein Kamerad
Werner Blumberg durch Gesteinsplitter schwer verwundet und verstarb kurze Zeit darauf. Ich
werde seiner nie vergessen. Er war immer ein guter Kamerad, in Freud und Leid. (Anm.: Das
Grab befindet sich noch immer auf dem Akener Friedhof) Während der Abend- und Nachtstunden
tobten über der Elbe heftige Kämpfe.
19.4.1945
Früh haben die Leute die Lagerschuppen am Hafen geöffnet und sich für die kommende Zeit
mit Lebensmitteln versorgt. Wir haben uns zucker, Käse, Wurst und Schrot geholt.
20.4.1945
Vormittags einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Die Front noch immer zu hören.
21.4.1945
Zu Hause gearbeitet. Gegen Abend deutscher Artilleriebeschuß.
22.4.1945
Früh mit Papa im Garten gegraben.
23.4.1945
Morgens starker Regen. Auf unserem Hof parkt ein merikanischer Panzerspähwagen.
Am Nachmittag auf dem Margaretenteich gekahnt. In der Nacht sehr starkes Artilleriefeuer.
24.4.1945
Früh gegraben. Nachmittags gekahnt. Gegen Abend Inge getroffen.
25.3.1945
Morgens von einem Panzerspähwagen Schokolade gemaust. Am Vormittag gegraben. Um 14 Uhr haben
alle amerikanischen Fahrzeuge unsere Straße verlassen. Gegen 14:3o Uhr ist mein lieber Opa nach
kurzem Krankenlager, für mich viel zu früh, in die Ewigkeit abberufen. Nachmittags mit Bernhard
am Damm spazieren gegangen.Beim Zurückkehren sah ich, wie das Marineleergutlager brannte.
Mit noch einigen Kameraden versucht, den Brand zu löschen. Dies ist uns nicht gelungen, jedoch
konnten wir den Brand auf seinen Herd beschränken. Um 20 Uhr sind zwei schwere Panzer in unsere
Straße eingerückt. Fünf Mann haben bei uns Quartier genommen. Sehr anständige Kerle.
26.3.1945
Tagsüber zu Hause geblieben. Von den Soldaten Schokolade usw. bekommen. Abends mit Inge spazieren
gegangen. Die Ausgehsperre wurde um zwei Stunden verkürzt. Wir können bis 20 Uhr au der Straße sein.
Abends mit den amerikanischen Soldaten erzählt. Die Abend- und Nachtstunden verliefen ohne Störungen.
27.4.1945
Zu Hause gearbeitet. Gegen Abend mit Inge spazieren gegangen.
28.4.1945
Früh im Garten Zuckerrübenkerne ausgesät. Um 14 Uhr haben wir unseren lieben Opa zur letzten Ruhe
gebettet.
29.4.1945
Nachmittags mit Inge spazieren gegangen. Gegen Abend mit Gerhard, Heinz und Erwin auf der
Straße herumgebummelt.
30.4.1945
Vormittags im Garten gearbeitet. Gegen Abend mit Inge spazieren gegangen.