1.5.1945
Vormittags 2 Zentner Gerste mit Bernhard geholt.Gegen Abend auf dem Bismarckplatz
herumgebummelt.
2.5.1945
Vormittags im Garten gegraben. Nachmittags herumgebummelt.
3.5.1945
Vormittags zum Graben gegangen. Gegen Mittag haben uns die Amerikaner mit
ihren Panzern verlassen. Gegen Abend in der Stadt gewesen.
4.5.1945
Vormittags im Garten Reihen gezogen. Nachmittags auf dem Bismarckplatz
mit I.H. und D.R. gewesen.
5.5.1945
Früh Blumen zu den Gräbern von meinen Großeltern und zum Grabe meines Freundes
W. Blumberg gebracht. Am Nachmittag mit Inge H. spazieren gegangen. Gegen Abend
mit Gerhard und Heinz herumgestrolcht. Bolschewistisch Truppen stehen auf dem
jenseitigen Elbufer.
6.5.1945
Vormittags schlechtes Wetter. Nachmittags spazieren gegangen.
7.5.1945
Vormittgs ein neues Aquarium eingerichtet. Gegen 12 Uhr Fische dazu geholt.
Am Nachmittag mit meinen Kameraden herumgestrolcht.
8.5.1945
Vormittags im Garten gearbeitet. Am Nachmittag zu Hause geblieben, da Mutti und
Papa im Garten arbeiten. Während dieser Zeit Pulver gemischt; Bonbons gekocht usw.
Gegen Abend auf der Straße herumgebummelt. Am Abend einen deutschen Sender gehört.
Seit Tagen haben wir nichts Genaues über den Stand der Dinge erfahren. Erst heute
habe ich es amtlich erfahren, daß unser geliebter Führer am 1. Mai in Berlin im
Kampf gegen den Bolschewismus den Heldentod fand. Damit ist ein Mann hingegangen,
der nur das Beste seines Volkes gewollt hat. Der Wehrmachtbericht meldet Kämpfe
an der Ostfront in Kurland, Breslau und der Ostmark sowie Gefechtstätigkeit in
den Vorfeldern der Atlantikfestungen. In der Nacht vom 8. zum 9. Mai tritt an
allen Fronten Waffenruhe ein. Damit ist der Heldenkampf unseres Volkes beendet.
In 5 1/2 jährigem Kampf haben sich unsere Soldaten an allen Fronten hervorragend
geschlagen. Nicht durch Tapferkeit haben uns die Feinde bezwungen, sondern durch
eine riesige Übermacht an Material, durch den Verrat am 20. Juli 1944 und durch
Falschheit, Lüge und Betrug. Wäre es reell in diesem Kampf zugegangen, dann würden
die Hampelmänner, die sich Soldaten nennen, und die jetzt denken sie haben einen
glorreichen Sie errungen, lämgst von unseren tapferen Truppen entweder in den Ozean
gejagt sein oder sie bauten unsere zerstörten Städte wieder auf. Der Unterschied
zwischen unseren und den feindlichen Truppen ist wie Tag und Nacht. Die Amerikaner
grüßen ihre Vorgesetzten nicht, können nicht marschieren, rauchen und erzählen sich
was im Glied usw. Das Deutschland von heute hat einen ruhmreichen und ehrenvollen
Untergang. Bis zur letzten Patrone hat die Heimat gekämpft. Erst als die Lieferungen
aus den zustörten Ruinen ehemaliger Fabriken ausblieben, wurde der Waffenstillstand
geschlossen. 1918 dagegen waren die Truppen noch intakt, die Fabriken ganz, hatte
noch kein Feind deutschen Boden betreten. Nur weil ein paar kleingläubige Menschen
in der Regierung saßen wurde der schandvolle Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet.
Hier noch einmal die Zusammenfassung über die 5 1/2 Jahre Heldenkampf des deutschen
Volkes:
(Anm.: Es folgt eine "zeitentsprechende" Schilderung der vergangenen Kriegsjahre.
Ich werde sie später einpflegen)
9.5.1945
Gegen Abend mit Inge spazieren gegangen.
10.5.1945
Vormittags mit Bernhard am Magdalenenteich gespielt. Am Nachmittag zum ersten Mal in
diesem Jahr gebadet. Das Schwimmen will fasr gar nicht funktionieren. Gegen Abend mit
Inge und Dora gesonnt.
11.5.1945
Vormittags zu Hause gearbeitet. Am Nachmittag mit Inge und Dora gesonnt.
12.5.1945
Gegen Mittag mit Gerhard und Erwin Bekanntmachungen des Stadtkommandanten in der Stadt
ankleben müssen. Danach wird die Verdunkelung und man erlaubt uns "gnädigst" von
5 bis 21 Uhr auszugehen. Mir wäre es tausendmal lieber, wenn wir weiter verdunkeln
müssten und die "33er" Regierung würde wiederkommen. In einer weitern Bekanntmachung,
die wir ebenfalls anzukleben hatten, heißt es wörtlich: "Auf Anordnung des "Herrn"
Stadtkommandanten sind sämtliche nationalsozialistischen Fahnen und Wimpel sofort
im Rathaus, "Zimmer 10", abzugeben. Aken, den 11.Mai 1945. Der Bürgermeister". Und
das dumme Volk läuft gutmütig zum Zimmer 10 und liefert kleingläubig den Feind unsere
lieben Hitlerfahnen aus. Wir gönnen ihm diesen Triumpf nicht. Meine Hakenkreuzfahne
bekommen sie nicht.Das Sonnenzeichen mit dem Hakenkreuz liegt in der nie versiegenden
Elbe. Das rote Tuch trägt Bernhard als Anzug. Anschließend an diese schmutzige Arbeit,
schmutzig als insofern, dem Feind Dienste leisten zu müssen, sind wir mit Inge und Dora
baden gegangen und die Schande von uns abzuwaschen.
13.5.1945
Nachmittags mit der üblichen Gesellschaft am Magdalenenteich. Das Schwimmen geht
schon viel besser.
14.5.1945
Papa ist zum ersten Mal unter der Amerikanderherrchaft zur Arbeit gefahren. Nachmittags
mit Inge baden gegangen.
15.5.1945
Vormittags auf dem Bleichfleck am Magdalenenteich Wäsche gebleicht. Nachmittags mit
der bekannten Meute zum Baden gegangen.
16.5.1945
Früh im Garten gearbeitet. Nachmittags gebadet.
17.5.1945
Vormittags gearbeitet. Am Nachmittag wie alle Tage badeb gewesen. Es wäre zu begrüßen,
wenn ein tüchtiger Gewitterregen unserem Baden ein Ende setzt, denn der Erdboden ist
gänzlich ausgedorrt.
18.5.1945
Am Vormittag altes Gerümpel und Sägespäne auf dem Hof verbrannt. Nachmittags nicht
gebadet sondern herumgestrolcht. Gegen Abend ist das Marine-Leergut-Lager am hohen
Ufer des Magdalenenteiches vollständig abgebrannt. De Platz gleicht einer riesigen
Schutthalde. Tausende von zerschlagenen und durch die Hitze geplatzten Flaschen liegen z.T.
in meterhohen Stapeln herum. Es wäre angebracht, wenn die Akener Jugend, die sowoeso
auf den Straßen herumlungert, diesen Schandfleck in der Natur in ein paar Tagen Arbeit
beseitigt, indem sie die Scherben beseitigt und zur Asche fährt.
19.5.1945
Früh Spargel geholt. Am Vormittag von Schneevoigts Apfelsaft und Stroh geholt. Gegen
Mittag gab es Butter. Darauf Baden gegangen.
20.5.1945
Pfingstsonntag.
In der kurzen Zeit von nur einer Woche kleben an allen Plakatsäulen schon wieder drei
neue Verordnungen des "Herrn Stadtkommandanten". Nachmittags baden gegangen.
21.5.1945
Pfingstmontag.
Nachmittags mit Inge spazieren gegangen. Gegen Abend eine neue "deutsche" Zeitung gelesen.
"Braunschweiger Bote" schimpft sich dieses Blatt. Der Inhalt ist von A bis Z Lüge, Hetze
und Verleumdung über Hitler, die NSDAP und andere nationalsozialistische Einrichtungen.
Vor allem über deutsche Konzentrationslager wird ein wüster Hetzfeldzug geführt. Die "armen"
Insassen der KZ-Lager sind jetzt die rechte Hand unserer Feinde.
22.5.1945
Den Gerüchten nach, soll Rußland seine Soldaten bis an die Oder zurückziehen. In unsere Zone
sollen englische Besatzungstruppen kommen. Radio London jedoch bringt in seinen Sendungen nicht
ein Wort über Unstimmigkeiten zwichen England und den USA einerseits und der Sowjetunion
andererseits. Aber wozu schanzt dann der Russe auf dem jenseitigen Ufer; und warum verbietet
der Stadtkommandant das Baden und Rudern auf der Elbe, warum müssen alle Kähne in den Hafen?
Es besteht kein Zweifel, daß zwischen den Alliierten Spannungen und Streitfragen bestehen.
23.5.1945
Vormittags im Garten Grenzsteine gesucht. Gegen Abend am Bahnhof Güterwagen "inspiziert".
Es liegt allerhand Brauchbares herum, z.T. die wertvollsten Sachen. Schublehren, Werkzeuge u.a.m.
sind unbarmherzig der Witterung ausgesetzt. Was für brauchbar befunden wurde, wurde "liquidiert".
Abend mit Bernhard aus den Trümmern des Flaschenlagers 25 Weinflaschen herausgepolkt.
24.5.1945
Vormittags bei Scheevoigts Stroh geholt. Etwa gegen 1o Uhr kamen vier amerikanische Lastwagen
mit deutschen Kriegsgefangenen auf dem Markt an. Sofort ein riesiger Auflauf der Bevölkerung,
die von den neidischen Blicken der amerikanischen Bewachung beobachtet, unseren Soldaten
Lebensmittel und Tabak schenkten. Nachmittags mit Onkel Schneevoigt nach seinem Fichtenbestand
gefahren, er am Rande des Heideflugplatzes liegt. Dort haben unsere Truppen vor ihrem
Abmarsch noch glücklicherweise alle Maschinenzerstören können. Ich habe mir verschiedene
Teile, vor allem Geräte, in denen elektrische Kabel liegen, ausgebaut. Gegen Abend abermals
die Bahnloren "inspiziert".
25.5.1945
Früh von der Graupenmühle Futtermittel geholt. Darauf nach dem Abeitsamt gegangen, denn wir
müssen uns alle melden,
26.5.1945
Morgens mit Heinz aus den Eisenbahnwaggons Wekzeuge geholt.
27.5.1945
Vormittags mit Gerhard, Erwin und Karli nach dem Friedhof gegangen. Am Nachmittag chemische
Versuche gemacht. Karli ist mit dem Rad von Neu-Derben gekommen. Wenn nur Onkel Fritz aus
Hamburg kommen würde, oder wenigstens eine Nachricht uns zukommen ließe.
28.5.1945
Vormittags zu
29.5.1945
Wege gegangen.
30.5.1945
Abends Erdbeeren gegossen. Anschließend die Bahnloren mal wieder besucht. Einen Kanister mit
Kalilauge erbeutet.
31.5.1945
Früh von den Bahnloren chemische Instrumente geholt. Es herrscht trostloses Regenwetter.
Vormittags Wege gegangen.