1.7.1945

Ich habe einen fürchterlichen Durchfall. Wahrscheinlich habe ich mich am Freitag beim
Bierverkauf erkältet.

2.07.1945

Gegen Abend aufgestanden.

3.07.1945

Vormittags Zuhause herumgepumpelt. Die anglo-amerikanische Besatzung hat gegen Mittag Aken
verlassen; es soll russische Besatzung herkommen. Allerorts sieht man versoffene Gestalten
mit roten Armbinden herumlaufen. Sie haben sich Polizeirechte angemaßt und beschlagnahmen
Radios und Fahrräder ehemaliger Parteigenossen. (Anm.: der NSDAP)

4.07.1945

Heute haben die Roten auf eigene Faust zwölf Männer verhaftet. Aus vielen Häusern hängen rote
"Fahnen"; im Wirklichkeit sind es nur Lappen. In den Fabriken bilden sog. "Betriebsräte".
Die russische Besatzung bleibt aus. Nachmittags bei Onkel Fritz und bei Schneevoigts gewesen.
Unser Nachbrhaus in der Burgstrasse muß bis 19h geräumt sein.

5.07.1945

Infolge der unklaren Lage brauen wir heute nicht.Gegen 22h sind einige russische "Soldaten"
in Aken angekommen. Jedoch nicht die Stadtbesatzung sondern eine Flußkommandatur für die Elbe.
Sie haben in dem geräumten Haus neben uns Quartier bezogen.

6.07.1945

Ein Stadtkommandant soll eingetroffen sein. Er hat den Rotfrontleuten befohlen:
1. Zurückgabe sämtlicher beschlagnahmten Gegenstände
2. Vernichtung sämlicher roten Armbinden
3. Unterlassung jeglicher Parteitätigkeit
4. Freilassung ihrer Gefangenen
5. Verbot jeglicher Plünderei bei Todesstrafe
Besatzungstruppen sind noch nicht da.

7.07.45

Früh im Garten Unkraut gezogen. Ab Mittag herrscht in Aken Moskauer Zeit. D.h.: Alle Uhren
werden um eine Stunde vorgestellt. Auf Deutsch: Wenn man sich um 23h zu Bett legt ist es
erst 21h MEZ und die Sonne scheint noch ins Zimmer. Abends mit Gerhard und Heinz spazieren
gegangen.

8.7.1945

Am Nachmittag mit Gerhard, Heinz, Erwin und Albert bei uns gespielt. Abends herumgebummelt
Wir haben einen Entschluss gefasst: Im Magdalenenteich liegt ein kleiner Kahn. Wir wollen
ihn heben, damit wir uns kahnen können; denn den anderen Kahn hat uns Herr Fenz entzogen,
obwohl wir auch diesen aus der Versenkung gehoben haben. Wir haben auch gleich ein Programm
aufgestellt, aber wer weiß, ob wir die Termine einhalten können; denn uns können ungeahnte
Schwierigkeiten entgegentreten.

9.07.1945

Bier gebraut. Gegen Abend Inge getroffen und ein Stück mit ihr spazieren gegangen.
Um 8 ½ Uhr zogen 4 Mann, bewaffnet mit Haken und Paddeln los, um den Kahn ausfingig
zu machen. Wir ruderten mit dem anderen Boot zu der vermutlichen Untergangsstelle und
forschten mit einem Haken nach etwas, was sich wie Holz benahm. Es dauerte kaum
fünf Minuten da sagte Heinz beim Suchen plötzlich: “Hier ist Holz.“ Nach weiterem Suchen
an derselben Stelle rief Gerhard: “Dort schwimmt eine Pelzmütze!“ und im selben Augenblick
schrie Heinz: “Ach Mensch, du bist ja bekloppt, das ist die Spitze vom Kahn!“ Und tatsächlich
war es auch so. Ich griff sofort danach, fühlte etwas wie Eisen, zog es hoch und hatte die Kette
in der Hand. Wir schlangen sie um eine Holzbohle, damit die Stelle sichtbar war und ruderten
wieder zum anderen Ufer zurück. In aller Eile wurde eine Kette requiriert und wieder fuhren wir
zurück. Von Land aus zogen wir den Kahn etwa zu einem Viertel aus dem Wasser. Dann holten wir
einen Flaschenzug und gegen 22h lag der Kahn zur Hälfte auf Land. Nun waren aber unsere Kräfte
erschöpft. Wir hatten schon viel mehr geschafft als wir uns vorgenommen hatten.
Auf dem Programm stand: Auffinden des Kahnes.

10.07.1945

Früh Bier verkauft. Geschäft geht glänzend. Anschließend auf dem Bleichfleck Wäsche gehütet.
Gegen Abend mit einem Auto nach Klein-Kühnau gefahren. Inge besucht. Abend haben wir nach
angestrengter Arbeit den Kahn aus dem Wasser gezogen, ausgeschöpft und von Glasscherben
einigermaßen gereinigt und auf dem flachen Ufer auf Land gerollt.

11.07.1945

Früh mit Heinz ein Brett zum Bänke bauen gekauft. Gegen Mittag haben wir Bescheid bekommen,
dass unsere Wohnung bis zum Abend geräumt werden muß. Sofort alles aufgeboten was Hände zum
Zufassen hat. Gerhard, Heinz und Albert helfen mit. Am Abend war alles ausgeräumt bis auf
das Wohnzimmer und die Küche. Mutti, Bernhard und ich wohnen bei Franz Schütz; Vati bei
Schneevoigts.

12.07.1945

Am Vormittag mit Heinz noch allerhand aus der Wohnung geholt. Gegen 16h sind russische Soldaten
in unser Haus gekommen. Abends haben Heinz, Albert, Erwin und ich den Kahn geteert.

13.07.1945

Früh Bier verkauft. Ende 8:30h. Ausgabe 2000 l. Nachmittags und am Abend gebadet. Es herrscht
eine riesige Hitze.

14.07.1945

Nachmittags gebadet. Abends haben wir den Kahn seinem Element übergeben. Er ist zwar noch etwas
undicht, aber gegen den anderen sieht er wie neu aus.

15.7.1945

Es herrscht eine fürchterliche Hitze. 25-30°C im Schatten. Früh und am Abend baden gegangen.


16.07.1945

Schon um 7 Uhr, in Wirklichkeit also um 5 Uhr, herrschten 22°C Hitze. Bier gebraut. Ich habe
es vor Hitze kaim aushalten können. Auch in der sonst so kühlen Brauerei war es fast unerträglich.
Besonders vor dem Feuerloch des Kessels floss der Schweiss in Strömen. Abends gebadet und gekahnt.

17.07.1945

Frühmorgens Braunbier verkauft. als ich um 6:30h zu Schneevoigts ging, standen die Bierkäufer schon
vom Torweg bis in die Elbstrasse, obwohl es in der Nacht stark geregnet hatte und die Luft ziemlich
kühl war. Am Abend gekahnt.

18.07.1945

Mit Gerhard und Heinz den Kahn abgedichtet. Gegen Abend hat uns Herr Frenz noch Pech zum Dichten
gegeben. Sofort haben wir aus Mauersteinen einen Ofen gebaut, trockene Äste zusammengesucht, das Pech
flüssig gemacht und in die undichten Fugen gegossen. Nun kommt kein Wasser mehr durch.

19.07.1945

Bier gebraut. Es ist bereits wieder Tropenhitze. Abends auf dem Teich gekahnt.

20.07.1945

Früh Ber verkauft. Der Andrang war nicht besonders groß da sich das Wetter abgekühlt hat. Am Nachmittag
mit dem Zuge nach Köthen gefahren. Wege besorgt. Mit der Inbetriebnahme unserer Schule ist noch gar nicht
zu rechnen. Abends gekahnt.

21.07.1945

Nachmittags im Garten Äpfel aufgesucht. Abends gebadet. Am Nachmittag mit Inge, Heinz und Irmgard
spazieren gegangen.

22.07.1945

Bis 11 Uhr geschlafen. Anschließend mit Bernhard gebadet. Am Nachmittag mit Inge, Heinz und
Irmgard spazieren gegangen.

23.07.1945

Bier gebraut.

24.07.1945

Bier verkauft. Absatz nicht sehr stark. Wir behalten 300 l über. Abends mit Gerhard, Heinz und
Albert am Sägewerk herumgestromert. Heute mussten wir unseren Kahn versenken, weil Angler ihn in Besitz
nehmen wollen.

25.07.1945

Nachmittags Kartoffeln geholt.

26.07.1945

Bier gebraut.

27.07.1945

Bier verkauft. Abends im Hafen gekahnt.

28.07.1945

Nachmittags im Garten gearbeitet. Am Abend mit Inge und Irmgard spazieren gegangen.

29.7.1945

Am Nachmittag mit Heinz, Inge und Irmgard spazieren gegangen. Gegen Abend bei chneevoigts gewesen.

30.07.1945

Bier gebraut.

31.07.1945

Bier verkauft. Heute behalten wir 900 l über. Wenn das Wetter nicht warm wird brauen wir am Donnerstag
nicht. Von um 14 Uhr ab bis in den späten Abend mit einer ganzen Meute den Hafen unsicher gemacht.
Den Kahn, den unsere Truppen im Hafen versenkt hatten versuchen jetzt Truppen der "siegreichen
roten Armee" zu heben. Hoffentlich haben sie ordentlich daran zu knabbern.