1.8.1945

Nachmittags mit Onkel Schneevoigt von Köthen Material für die Mosterei geholt.

2.8.1945

Heute wird nicht gebraut. Nachmittags mit dem Autobus nach Dessau gefahren. Inge
besucht.

3.8.1945

Bier verkauft.

4.8.1946

Früh im Garten Unkraut aus den Kartoffeln entfernt.

5.8.1945

Nachmittags mit Inge spazieren gegangen.

6.8.1945

Nach Dessau gefahren. Inges Geburtstag gefeiert. Ein wunderschöner Tag.

7.8.1945

Früh Bier verkauft. Nachmittags im Garten geholfen.

8.8.1945

Nachmittags im Garten gewesen. Es herrscht bereits wieder Regenwetter.

9.8.1945

Bier gebraut.

10.8.1945

Bier verkauft. Der Regen wird immer stärker.

11.8.1945

Es laufen wieder allerhand Gerüchte um. Die Russen sollen weg kommen, vorher
dürften sie noch plündern. Manche wissen schon wie lange. Zwei, sechs und acht
Stunden. Jedenfaöös habe ich mich nun oft genug verulken lassen. Ich glaube nur
noch,was ich selbst höre und sehe.

12.8.1945

Zu Hause geblieben.

13.8.1945

Bier gebraut. Seit etwa einer Woche G.P.U. hier. Täglich finden Verhaftungen statt.
Amerika hat am Donnerstag eine neue Waffe, die sog. "Atom-Bombe"gegen Japan eingesetzt.
Wahrscheinlich ist es eine deutsche Erfindung. Die in Potsdam tagende Konferenz, deren
Oberhäupter der sowjetische Diktator Stalin, der amerikanische Präsident Truman und der
neue britische Premierminister Atlee sind, hat an Japan eine Aufforderung zur
bedingungslosen Kapitulation gerichtet. Seit heute Morgen befindet sich die Sowjetunion
mit Japan im Kriegszustand.

14.8.1945

Früh Bier verkauft. Gegen Mittag von einer Lore im Hafen Knallnieten besorgt. Annährend
5000 Stück. Das sind Nieten, die im Innern Pulver enthalten, welches bei Erwärmung
explodiert, daher der Name Knallniete. Nachmittags mit dem Zuge nach Köthen gefahren.
Abends vom Hafen einige Flugzeugarmaturen geholt. Das Material der Junkerswerke wird
achtlos in die Lagerschuppen gekarrt. Alles durcheinander. Instrumente, Nieten, Blech,
Draht usw.

15.8.1945

Japan hat bedingungslos kapituliert. Aus!!! Damit ist mir und wohl jedem anständigen
Deutschen das Interesse am Weltgeschehen verleidet. Hatte doch jeder noch immer ein
Fünkchen Hoffnung auf unseren tapferen Bundesgenossen in Ostasien gehabt. Aus! Nochmals aus!!!!
Vorläufig sind wir nun Knechte. Aber immer werden wir Deutsche bleiben. Die paar Schufte,
die jetzt den Feinden Handlangerdienste leisten, werden bald den riesigen Betrug an unserem
Volke merken. Abends mit Helga Knallnieten in die Luft gejagt.

16.8.1945

Wir brauen heute nicht. Vormittags Knallnieten verschossen. Am Nachmittag am Magdalenenteich
dasselbe getan. Gegen 18 Uhr ist ein Postomnibus mit einigen sowjetischen Lastwagen,
der mit geraubten Tabakballen hochbeladen war, an der Ecke Kaiserstraße/Burgstraße
zusammengeknallt. Der Militärwagen wurde um 90 Grad weggeschleudert, so daß er auf
der linken Wagenseite lag. Panje-Rußkie mußte nach oben aussteigen, von dem Gelächter
des Publikums begleitet. Anschließend von Gerhard Knallnieten bekommen. Nach dem
Abendessen mit Heinz und Gerhard das getan, was heute unser Tagesprogramm war. Es
ballert heute den ganzen Tag. Jeder Junge hat Knallnieten. Die großen Nieten
krachen wie Pistolenschüsse. Wir bringen die nieten folgendermaßen zur Explosion:
Ein Pulver wird aus Kaliumchlorat und Zucker gemischt. Davon werden kleine
Haufen genmacht und die Nieten hineingelegt. Je nach dem, 1, 2, 4 oder 6, manchmal
noch mehr. Da wir nun knapp mit Streichhölzern sind lassen wir einen Tropfen
Schwefelsäure drauftropfen und treten rasch ein paar Schritte zurück. Das Pulver
wird durch Säure entzündet, entwickelt in ca. 1-2 Sekunden mehrere 1000° und bringt
das Pulver in der Niete zur Explosion.

17.8.1945

Nachmittags bei Gisela zum Geburtstag gewesen.

18.8.1945

Vormittags Wege gegangen. Am Nachmittag nach Köthen zur Mathematikstunde gefahren.


19.8.1945

Nachmittags nach dem Lorf gegangen.

20.8.1945

Bier gebraut. Von heute werden Äpfel zum Mosten angenommen.

21.8.1945

Früh Bier verkauft. Nachmittags mit Bernhard Geburtstag gefeiert.

22.8.1945

Die Gerüchte schwirren weiter. Das die Russen weggehen sollen, wird immer wieder
verschoben. Wenn sie bis zum 26. nicht raus sind, kommt der "Amy" ganz bestimmt
mit Waffengewalt. Und so werden am laufenden Band Termine angesetzt, und sie verstreichen
ohne daß sich etwas ändert.

23.8.1945

Früh in der Mosterei geholfen. Nachmittags nach Köthen gefahren. Wir sollen bereits zwei
Wochen schweflige Säure bekommen und sie ist bis jetzt noch nicht da. Heute erfahre
ich, daß sie noch gar nicht abgeschickt ist.

24.8.1945

Heute müssen alle Kähne die hier liegen, nach Magdeburg fahren. Nachmittags nach
Köthen zum Unterricht gefahren.

26.8.1945

Früh im Garten gearbeitet. Nachmittags geschlafen.

27.8.1945

Bier gebraut.

28.8.1945

Früh Bier verkauft. Es wird besseres Wetter.

29.8.1945

Nachmittags in der Mosterei geholfen. Gegen Abend mit Inge baden gegangen. Das Wasserwar
verdammt kalt.

30.8.1945

Vormittags in der Mosterei gearbeitet. Am Nachmittag mit Inge Baden gewesen.

31.8.1945

Früh Bier verkauft.