1.12.1946
Vormittags in die Fichten nach Mennewitz gefahren. Kiennadeln geholt.
Nachmittags die Rübenmaische destilliert. Das Ergebnis war zufriedenstellen.
Der Geschmack läßt viel zu wünschen übrig.
2.12.1946
F.z.S. Wasser destilliert.
3.12.1946
Früh mit Bernhard nach dem Busch gefahren. Holt gefällt und abgeholt.
Abends den Rübenschnaps destilliert. Er schmeckt immer noch.
4.12.1946
Den Rübenschnaps nochmal destilliert. Und immer noch! Jetzt traktiere
ich ihn mit Holzkohle. Gegen Abend mit Inge ins Kino gegangen. "Freies Land."
Ein Film über die Bodenreform Schscht-Bum! Blödsimm.
5.12.1946
Nach Köthen gefahren. In USA streiken die Bergarbeiter schon wochenlang.
Der Führer der Bergarbeitergewerkschaft Lewis steht vor Gericht. Die Folgen
werden ernst. Es ist eine Machtprobe zwischen Kapitalismus und Sozialismus
oder krasser, zwischen Weiß und Rot.
6.12.1946
F.z.S. In Griechenland sind die Unruhen in offene Kämpfe zwischen
kommunistischen Banden und Regierungstruppen ausgeartet. Die Banden fahren
mit T-34, die Regierungsarmeen mit Sherman-Panzern. Der Balkan ist und
bleibt das Pulverfaß Europas.
7.12.1946
F.z.S. Iranische Regierungstruppen sind in Aserbeidschan eigefallen. Auf
der UN sind die Außenminister zur Deutschlandfrage gekommen.
8.12.1946
Im Westen hat man 27 deutsche Großindustrielle aus der Haft entlassen.
Wutgeschrei der Proleten. Auch Tillessen, der den Verräter Erzberger
während der Weimarer Republik, erschoß, ist in Freiburg freigesprochen worden.
Die amerikanische und englische Zone sind vereinigt worden.
9.12.1946
F.z.S. Abends Schnaps zurechtgemacht. Das Geschäft sieht zur Zeit mau aus.
10.12.1946
F.z.S. Die Bergarbeiter in den USA haben verloren.
11.12.1946
Nicht in die Schule gefahren. Rohzucker beschafft.
12.12.1946
Von 12 Pfund Maische angesetzt. In Berlin wird jetzt um ein Stadtparlament
gestritten.
13.12.1946
F.z.S. Seit Mittag fällt das Thermometer. Es schneit. Oh armes Deutschland.
Wie wirst du diesen Winter überstehen? Temperatur 20Uhr: -8°C.
14.12.1946
Früh nach Köthen gefahren. 6 Uhr: -10°C. Auf der Bahn furchtbare Zustände.
Zu vergleichen mit Aufzeichnungen vom 8.12.1945. Der Mittagszug isz überhaupt
nicht gefahren. Von Köthen gelaufen. Abends am Damm gewesen. 20 Uhr: -15°C.
15.12.1946
8 Uhr: -17°C. Nachmittags Schlittschuhlaufen gewesen.
16.12.1946
Die Bahn im 4. Reich hat keine Kohlen mehr. Personenzüge fahren nicht mehr.
In Köthen stehen Züge vom Sonnabend Mittag ohne Lok. Wir sind um 11 Uhr in
Köthen angekommen. Zu Mittag wieder nach Hause gelaufen. Etwas
Frostmilderung. -8°C.
17.12.1946
Heute führ der erste Zug um 15 Uhr 30. Zustände wie in Rußland. Wenn ein
Zug kommt, setzt man sich rein. Nachmittags Schlittschuh gelaufen. Die
Wetterberichte meldden wieder für die Nacht Frostverschärfung bis -15°C.
18.12.1946
Schlittschuhlaufen gewesen. 20 Uhr: -15°C. Gegen General Franco tobt
wieder eine wüste Hetze. Die UN hat eine Resolution angenommen, wonach alle
diplomatischen Vertreter der auf der Vollversammlung anwesenden Länder aus
Madrid abberufen werden sollen. Gegen diese Entscheidung stimmten die
Staaten Lateinamerikas sowie die Niederlande. Überhaupt, in anderen
Dingen auch, ist Holland gegenüber uns sehr human. Es betrachtet uns als
einen besiegten Gegner, während die anderen wie eine Meute Hyänen und
Schakale über uns herfällt. In der russischen Zone wird zu Weihnachten der
Reiseverkehr noch mehr eingeschränkt, während in der Britischen Sonderzüge
gefahren werden. Trotz "Kohlenmangel".(Laut SEB)
19.12.1946
8 Uhr: -20°C. Der Mittelschule in Aken einen Besuch abgestattet. Genau
solch lächerlicher Betrieb wie bei uns. 20 Uhr: -11°C.
20.12.1946
7 Uhr: -17°C. Nach Köthen gefahren. Wie, das verschweige ich lieber. Alle
sechs Kilometer muß Halt gemacht werden und Dampf gesammelt werden.
Privatbahnlokomotiven müssen der Reichsbahn Vorspann leisten.
21.12.1946
Heute hat der Kremljude Stalin Geburtstag. Hoffentlich ist es einer seiner
0
letzten.
22.12.1946
9 Uhr: -15°C. Stumpfsinn gebrütet. Nachmittags Schlittschuh gelaufen.
23.12.1946
Frankreich hat zwischen dem Saargebiet und Deutschland eine Grenze
errichtet. Die anderen drei Großmächte haben dagegen protestiert.
24.12.1946
"Friede auf Erden." (Laut "Neues Deutschland") Komischer Frieden, wenn
unzählige Menschen verhungern und erfrieren. Während in den Westzonen zu
Weihnachten, Kakao, Tee, Mehl, Zucker, Tabak und Schnaps ausgegeben werden,
gibt es im Lande der SED 1 Pfund graues Mehl, 250g Zucker und 1 Käse.
25.12.1946
1. Weihnachtstag
In Nürnberg stehen 23 deutsche Ärzte vor einem "Kriegsverbrechergericht",
weil sie in den KZs an Verbrechern Versuche für U-Boote und Flugzeuge
durchführten, die für das Leben tausender deutscher Soldaten gut waren.
Auch die am 1. Oktober in Nürnberg freigesprochenen müssen jetzt vor den
deutschen "Gerichten" erscheinen. Abends bei Schneevoigts gewesen. Onkel
war blau.
26.12.1946
2. Weihnachtstag
Seit gestern taut es etwas. Da unsere Ausgußleitung zur Straße noch
vereist ist, habe ich mir eine aus Gummischlauch und Eisenröhren zum
Brunnen gelegt.
27.12.1946
Wasser destilliert.
28.12.1946
Waser destilliert. Um 22 Uhr mit der Destillation der Maische vom 12.
begonnen. Ende 5 Uhr. Ergebnis: 12 l 32%. Bisher das beste Ergebnis.
Energieverbrauch am 27. u. 28.12. : 41 kWh
29.12.1946
Abends in der Stadt gewesen. Temperatur um 0°C.
30.12.1946
Schlittschuhlaufen gewesen.
31.12.1946
Die zweite Jahreswende im sogenannten "Frieden". Der Tag erscheint
grau in grau. Trostloses Elend wo man hinsieht. Wir in Aken sehen es nicht
einmal so. Man braucht aber nur einmal 14km weiter nach Osten zu sehen,
wo früher eine schöne Stadt stand. (Anm.: Dessau) Die Menschen "leben"
zwischen Ruinen, ohne Kohlen, mangelhaft bekleidet, schlecht ernährt.
Das ist die Riesenschuld der "Sieger", die Schuld der wahren Kriegsverbrecher
in Ost und West. Abends ins Kino: "Das Mädchen von Fanö." Anschließend
mit Herbert und Gerhard mit drei Flaschen bewaffnez durch die Säle
gewandert. Das Volk sucht im Lärm und Tanz die Not zu vergessen. Gelandet
im Schützenhaus-Saal. Friedlich und besinnlich ins neue Jahr gegangen.
PROST NEUJAHR!