1.2.1946

Heute ist keine Schule. Für unsere Mieter, Tschershewskys, Sprit destilliert.

2.2.1946

Vormittags allerlei kleine Arbeiten verrichtet. Heinz und erwin sind auch wieder
eingestrudelt. Um 20 Uhr mit der Groß-Destillation begonnen. Ende 7 Uhr morgens.

3.2.1946

Bis Mittag geschlafen. Nachmittags mit Heinz und Erwin in der Stadt gewesen.

4.2.1946

F.z.S. Heute haben wir eine famose Sache entdeckt. Da Fritz auf der Post
wohnt hat er Wechselstrom zur Verfügung. Da unser Gleichstronetz jedoch oft
aussetzt haben wir heute durch unsere Feldtelefonleitung während der Störung
glänzende Beleuchtung gehabt. Ich kann jetzt auch meine elektrische Eisenbahn
wieder mit Wechselstrom fahren lassen.

5.2.1946

F.z.S. Abends mit Inge ins Theater gegangen. "Ein Walzertraum."

6.2.1946

F.z.S. Auf Befehl des alliierten Kontrollrates ist Deutschland die Herstellung
von synthetischem Benzin, Buna und Stickstoff untersagt. Ebenso wird der größte
Teil der Stahlindustrie stillgelegt. "Finis Germaniae!"

7.2.1946

F.z.S.

8.2.1946

Nachmittags mit Fritz die Eisenbahn aufgebaut. Wir betreiben sie mit
Wechselstrom.

9.2.1946

Nachmittags mit Fritz und Gerhard in Köthen ins Kino gegangen.
"Ich werde dich auf Händen tragen."

10.2.1946

Zu Hause herumgebastelt. Mit Inge ins Kino gegangen. "Ich werde dich
auf Händen tragen."

11.2.1946

F.z.S. Zensuren bekommen. Von heute an bin ich Klasse 6.

12.2.1946

F.z.S. Nachmittags in der Stadt gewesen.

13.2.1946

F.z.S. Wir sollen in unsere Wohnung einen Offizier bekommen. Zu lachen hat er
nichts. Wenn wir auch ihm nichts antun können, so wird ihm aber passiver
Widerstand geleistet. Wenn er in meine Stube mit kommt, baue ich sämtliche
elektrische Leitungen aus; der Ofen wird unbrauchbar gemacht; der Abort wird
systematisch verdreckt u.s.f.

14.2.1946

F.z.S. Abends bei Heinz Karten gespielt.

15.2.1946

Eine Lichtleitung zu unserem Abort gelegt.

16.2.194

Nachmittags in Köthen ins Kino gegangen. Ein russischer Film über Leningrad.
Kommentar: "Stumpfsinnig."

17.2.1946

Um 5 Uhr mit Inge ins Kino gegangen. "Man rede mir nicht von Liebe."
Anschließend noch ezwas spazieren gegangen. Die Abende mit ihr zusammen sind
immer so schön. Träft sie doch schließlich das gleiche Schicksal in dieser
gottverdammten Zeit wie ich. Und wenn zwei Herzen sich zueinander gefunden
haben und fest zusammenhalten läßt sich diese Zeit viel leichter ertragen.
Gewiß, ich habe auch Kameraden. Aber wenn wir zusammenkommen und das Thema
gegenwart besprechen, so werden sofort Pläne geschmiedet gegen Besatzung und
Anti-Parteien. Das hat aber eine Zeit noch keinen Zweck. Es heißt abwarten.
Der Zeitpunkt wird schon wieder kommen. Denn ein Volk, oder besser gesagt ein
paar Verräter, was das Soldatentum verschmäht kann nixht existieren. Und das
deutsche Volk ist ein Volk von Bauern und Soldate. Über kurz oder lang wird sich
das Ehrgefühl und der Nationalstolz in der Brust eines jeden Deutschen wieder
regen. In unserer elektrischen Hausleitung herrscht Erdschluß. Von Fritz Strom
empfangen.

18.2.1946

F.z.S. Es herrscht dort ein lächerlicher Betrieb. Kein Lehrer versteht es einem
etwas bei zu bringen. Aber das soll ja nur so sein. Systematische Verdummung.
Damit die Deutschen ja nicht den riesigen Betrug merken. Die "Zeitungen" schwingen
gro0e Töne über die Befreiung durch die Blutopfer der vereinten Nationen, reden
vom Wiederaufbau, bringen die Reden der Staatsoberhäupter der feindlichen Länder
im Wortlaut und so fort. Kniefälle, Verbeugung znd Bitten vor unseren Feinden!!
O armes Deutschland wie weit bist du gesunken. Verspottung des Militärwesens! Der
alte Fritz und all die Größen der deutschen Vergangenheit würden sich im Grabe
umdrehen. Aber: Siehe das Kampflied "Brüder in Zechen und Gruben" wo es da heißt:
"Einst kommt der Tag der Rache, einmal da werden wir frei!" Nachmittags den
Erdschluß beseitigt.

19.2.1946

F.z.S.

20.2.1946

F.z.S. Nachmittags in der Stadt gewesen.

21.2.1946

F.z.S. Seit Tagen versuche ich schon eine bereits nach unserem Abort liegende
Lichtleitung wieder in Betrieb zu setzen. Auch heute ist es mir noch nicht
gelungen. Abends den Zug eingepackt.

22.2.1946

Bis gestern Morgen hat seit etwa einer Woche ein fürchterlicher Sturm getobt. Heute
schneit und friert es. Der inter ist noch einmal eingezogen.

23.2.1946

In der unteren Etage eine Klingeleinrichtung gebaut. Seit Mittag bläst schon wieder
ein starker Südwestwind. Die Straßen sind voller Schneeklack.

24.2.1946

In der Nacht tobte ein fürchterlicher Sturm. Gegen Abend mit Inge ins Kino
gegangen. Ein russischer Film, "Vier Herzen", wurde gegeben. Es ist das letzte
Mal gewesen, daß ich in solchen Film gegangen bin.

25.2.1946

Heute ist es mir nun endlich gelungen, die Lichtleitung zum Abort in Betrieb zu
setzen. Unsere Feldtelefonleitung ist unterbrochen.

26.2.1946

F.z.S. Voraussichtlich müssen am 1. März wieder drei Lehrer unserer Anstalt den
Schülern Ade! sagen. Darunter zwei Mathematiklehrer. Immer so weiter! Dann können
wir unseren Bau schließen in kürzester Zeit. Nachmittags die Leitung repariert.

27.2.1946

F.z.S. Gegen Abend in der Stadt gewesen.

28.2.1946

F.z.S. Mir ist heute nicht wohl. Ich habe Halsschmerzen. Dazu könnte ich
immer schlafen.