1.6.1946
Vormittags die Antenne wieder repariert. Sie war durch eine Dachluke, die
am Sonntag durch einen Gewittersturm vom Dach der Kommandantur neben uns
losgeschlagen war, vom Abspannei abgerissen. Nachmittags mit Herbert ins
Kino. "Am Abend nach der Oper."
2.6.1946
Einen packenden Zukunftsroman gelese.
3.6.1946
F.z.S. Abends mit Inge ins Theater gegangen. "Die Fledermaus." Zwei
herrliche Stunden.
4.6.1946
F.z.S. Nachmittags Lateinunterricht genommen. Abends die Schalttafel
im Labor um ein Amperemeter erweiterrtz.
5.6.1946
F.z.S. Am Montag ist der Vorsitzende des Präsidiums der Obersten Sowjets,
M.J. Kalinin krepiert. In Deutschland trauern natürlich die Proleten mit.
Wir könnten jauchzen vor Freude. Den zweiten der eigentlichen Kriegsverbrecher
hat das Schicksal ereilt.
6.6.1946
Früh mit dem Rade nach Köthen gefahren. Einen Liebigkühler gekauft. Nachmittags
die Kocher ausprobiert. Abends in eine feste Zementplatte verankert. Ich will
bereits morgen Abend mit der Destillation beginnen.
7.6.1946
Früh in Köthen einer Schulfeier auf dem Markt anläßlich der "Einheitsschule"
beiwohnen müssen. Nachmittags auf Vorrat geschlafen. Um 22 Uhr mit der
Spritfabrikation begonnen.
8.6.1946
Sprit destilliert. Zwei Flaschen verkauft. Gegen 23 Uhr hat ein total
besoffener Russe auf Vati einen Schuß abgegeben, der glücklicherweise
daneben ging. Ende mit der Kocherei um 23 Uhr.
9.6.1946
Pfingstsonntag
Bis Mittag geschlafen. Es ist kein Wetter zum Baden gehen. Ich habe
eine furchtbare Langeweile.
10.6.1946
Pfingstmontag
Dasselbe wie gestern.
11.6.1946
Vormittags auf der Bank gewesen. Von seinen 2000 Mark hat man nun 300 behalten.
12.6.1946
F.z.S. Nachmittags an einem Antifa-Aufsatz geschrieben. Es ist verdammt schwer
über etwas zu schreiben, was nicht wahr ist.
13.6.1946
F.z.S. Nachmittags in Köthen "Die Fledermaus" nochmals angesehen.
14.6.1946
Seit gestern Vormittag gießt es ununterbrochen. In der Nacht hat sich ein
orkanartiger Sturm dazu gesellt. In der Flur ist viel Schaden angerichtet.
Nicht zur Schule gefahren.Gegen Abend mit einem Radiofachmann über meinen Apparat
hergefallen. Hoffentlich spielt er bald.
15.6.1946
Früh nach Köthen gefahren.
16.6.1946
Die Kocherleistung erhöht.
17.6.1946
F.z.S. Nachmittags Radioschaltungen abgezeichnet. Ich will selbst einmal
versuchen einen Empfänger herzustellen.
18.6.1946
F.z.S. Nachmittags Latein in Köthen gemacht. Vielleicht kann ich einen
wunderbaren Wehrmachtsempfänger kapern.
19.6.1946
F.z.S. Gegen Abend im Garten mit Papa zwei Bäume wiederaufgerichtet. Der Sturm
war direkt verheerend.
20.6.1946
F.z.S. Der Wehrmachtsempfänger ist keine Illusion mehr. Er kostet einen schönen
Happen. Aber die Zuckerrüben machen alles wieder wett! Bis dahin muß eben eisern
gespart werden. Nur ist ein Haken daran: Es ist ein Batteriegerät. Morgen will
ich nun nach Dessau und mich bei einem Elektrofachmann, den ich durch Inge
kennengelernt habe, erkundigen, ob man durch Widerstände vorgeschriebene
Stärke erreichen kann.
21.6.1946
F.z.S. Nachmittags in Köthen geblieben.
22.6.1946
F.z.S. Nach Dessau gefahren. Drehkos bekommen. In Kürze weiß ich auch über die
Spannungen des Empfängers Bescheid.
23.6.1946
Angefangen einen Radio zu bauen.
24.6.1946
F.z.S. Der Tausch ist perfekt.
25.6.1946
Den Empfänger geholt. Wahrhaft, ein toller Kasten. Deutsche Wertarbeit.
26.6.1946
F.z.S.
27.6.1946
F.z.S. Gegen Abend mit Herbert an der Werft Eisenröhren "besorgt". Ich will mir
eine Gasleitung zum Experimentiertisch legen.
28.6.1946
F.z.S. Nachmittags Wege besorgt.
29.6.1946
F.z.S. Nachmittags gelesen. Abends mit Herbert begonnen die Gasleitung zu bauen.
30.6.1946
Früh die Leitung gebaut. Alles klappt. Am Nachmittag Baden gewesen.