1.7.1946
F.z.S. Von heute an, fahre ich mit dem Rade.
2.7.1946
F.z.S. Nachmittags Latein gemacht.
3.7.1946
F.z.S. Es ist seit einigen Tagen sehr warm. 30-35°C. Nachmittags
experimentiert.
4.7.1946
Nicht zur Schule gefahren. Mit Bernhard zum Baden gegangen.
5.7.1946
F.z.S. Nachmittags an der Elbe gewesen. Heute wird es kühl.
6.7.1946
Es hat sich stark abgekühlt, aber regnen tut es nicht. Für Herrn
Hölzke Maische angesetzt.
7.7.1946
Chemische Experimemte veranstaltet. Ohrenbetäubene Explosion einer
Gaswaschflasche mit Wasserstoff und Luft gefüllt. Die Flasche ist hinüber,
sie kann nur noch als Schüttelzylinder Verwendung finden. Mit ist nichts
passiert.
8.7.1946
Früh nach Köthen gefahren. Chemische Geräte gekauft. Über Mittag im Garten
Kirschen gepflückt. Diese am Nachmittag zum Gären aufgesetzt.
9.7.1946
F.z.S. Gegen Abend am Haus entlang eine Ausgußleitung vom Labortisch
gelegt.
10.7.1946
Vormittags unsere Lichtleitung zum Abort repariert.
11.7.1946
Auf unserem Boden Lichtleitung gelegt.
12.7.1946
Früh mit Grhard in Köthen Baden gewesen. Am Nachmittag an der
Elbe gebadet.
13.7.1946
F.z.S. Zensuren bekommen. Nach 7 versetzt. Gegen Abend Sprit verdünnt.
Abends Likör zurechtgemacht. Bis 2. September hat die Schule Rufe.
14.7.1946
Am Vormittag im Garten Kirschen gepflückt.
15.7.1946
Bier gebraut.
16.7.1946
Vormittags in der Brauerei gearbeitet. Nachmittags 6 l Zuckermaische
angesetzt. Abends auf dem Boden Malz gemahlen. Abends für Herrn Hölzke
destilliert. 1 l mit 48%.
17.7.1946
12 l Maische angesetzt. Dazu noch einige Gärbottiche mit 7,5 l Malzmaische.
Eine Flasche für 80 RM abgestoßen. In Kürze werde ich auch Kartoffeln
verarbeiten. Nachmittags die Kirschmaische destilliert.
18.7.1946
Das Waschhaus vorbereitet zum Sprit kochen. Die Lichtleitung
instandgesetzt. Seit Mittag lasse ich einen elektrischen Kocher brennen.
Nächste Woch kommen die Kühler wieder nicht zur Ruhe. Auf dem Boden
stinkt es furchtbar nach Kohlendioxyd. In Paris tagen seit einigen Wochen
die Außenminister Englands, Amerikas, Frankreichs und Rußlands über die
"Friedenskonferenz", auf der der "Friede" mit uns geschlossen werden soll.
Der amerikanische Oberbefehlshaber in Deutschland, General McKarney erklärt,
wenn in Deutschland jährlich Wahlen abgehalten werden, so ist der Frieden
gesichert. Er hält eine lange Besetzung Deutschlands damit für überflüssig.
De Russe erhebt natürlich wieder Protest, denn es will sich an uns ja
bereichern. Der "Prozeß gegen die Hautkriegsverbrecher" geht weiter.
Eine schreiende Ungerechtigkeit. Sämtliche Parteigenossen werden jetzt
ihres Vermögens und Besitzes beraubt. "Zur Sicherung des Friedens"!
Hoffentlich kommt es bald andersrum! Man vergeht vor Wut.
19.7.1946
Kirschen gepflückt. Nachmittags Pflaumen geerntet.
20.7.1946
Nachmittags mit Bernhard nch Köthen gefahren. Allerhand Einkäufe
erledigt.Zwei Jahre sind nun schon wieder vergngen, seit dem ruchlosen
Attentat auf unseren Führer. Hoffentlich lebt sein Geist in der Welt
weiter und befreit uns einmal vom roten Terror.
21.7.1946
Die Sonne hat sich hinter den Wolken versteckt. In diesen Tagen jährt sich
der Revolutionstag General Francos zum 10. Male. Eine wüste Hetze gegen ihn
ist in Gange. Eine Flasche Sprit für 100 RM abgeschoben.
22.7.1946
Bier gebraut.
23.7.1946
Vormittags Kohlen in den Keller geschippt. Nachmittags in der Brauerei
gearbeitet. Abneds versucht die Malzmaische zu destillieren. Unmöglich
mit Glasgeräten, da diese platzen.
24.7.1946
Am 8. September sollen in der russischen Zone Gemeindewahlen
durchgeführt werden. Am 29.7. soll nun in Paris die "Friedenskonferenz"
beginnen.
25.7.1946
Bier gebraut. Abends die Maische vom 16. destilliert. 1 l mit 48%.
26.7.1946
Früh in Köthen Chemikalien gekauft. Nachmittags in der Brauerei
gearbeitet.
27.7.1946
Gegen Mittag in Köthen zwei neue Kochflaschen gekauft, da die alten am
Dienstag geplatzt sind. Nachmittags mit Herbert an der Elbe Baden gewesen.
Gegen Abend zwei Flaschen zum Verkauf gebracht. Ergebnis: 300 RM. Abends
neuen angefertigt vom 17.7. 2 Liter. Ende 6 Uhr. 24 l neue Maische.
28.7.1946
Bis Mittag geschlafen. Gestern sind die ersten Wahlplakate der S.E.D.
rausgekommen. Ways die nicht alles wollen!
29.7.1946
Bier gebraut.
30.7.1946
Früh Versuche gemacht. Nachmittags in der Brauerei gearbeitet. Gestern
haben sie sich nun in Paris zusammengefunden zur großen "Friedenskonferenz".
Molotow hat wieder eine große Rede geschwungen. Er faselt von Freundschaft
zu Deutschland, inheit und Freiheit. Die dummen Proleten glauben das natürlich
und drucken die ganze Rede in ihr Schmierblatt.
31.7.1946
Vormittags in der Stadt gewesen. Anschließend den Sprit vom 25. und 27.
verdünnt und abends zum Verkauf weggebracht. Abends Geburtstag gefeiert.