1.2.1947
Nachmittags bei Naumanns gewesen. Einen Schrank erhandelt. Ich weiß nämlich
mit meinen chem. Geräten nicht mehr wohin. Abends bei Sterczenskis tanzen
gelernt.
2.2.1947
Nachmittags den Tanzunterricht weiter getrieben. Abends im Schützenhaus
das erste Mal getanzt.
3.2.1947
Die Kälte läßt etwas nach.
4.2.1947
Früh nach Köthen gefahren. Wir haben nachmittags Schule. Zeugnisse
bekommen.
5.2.1947
Heute schneit es ununterbrochen.
6.2.1947
Zur Schule gefahren.
7.2.1947
Nachmittags zur Schule gefahren. Es wird wieder kalt. So langsam wird man
den Winter über.
8.2.1947
Hans Fritzsch wurde zu 9 Jahren Arbeitslager verurteilt. In Nürnberg ist
der Teufel los. Gegen die Dienststelle der SPD ist wieder eine Bombe
geflogen. In die Spruchkammer, die gegen Papen verhandelt, wurde mit
Pistolen hineingeschossen.
9.2.1947
Zu Hause herrscht Krach. Mit Papa spreche ich schon Tagelang nicht. Er
hält mich zu Hause. Abends darf man nicht weg gehen. Fahrkarte, Bücher usw.
zahle ich alles selbst. Manchmal ist mir alles über. Aber dann betrachte ich
Inges Bild und weiß dann, daß ich nicht ganz allein bin. Ihr kann ich alles
anvertrauen. Leider komme ich so wenig mit ihr zusammen.
10.2.1947
Heute wurden die Friedensverträge mit Italien, Rumänien, Ungarn, Bulgarien
und Finnland unterzeichnet. Nachmittags bei Schneevoigts. Morgen gehe ich zum
Fastnachtskostümfest, ob es biegt oder bricht. Tanta Schneevoigt ist mit in
meinen Plan eingeweiht. Ich werde ja sonst Großvater, ehe ich tanzen lerne.
Nicht nun um jeden Sonntag Schwoofen zu gehen, sondern bloß, damit ich es
kann und mal etwas Zerstreuung habe in dieser blöden Zeit.
11.2.1947
Früh nach Köthen gefahren. In der Klasse -1°C. Keine Schule gehabt. Gegen
Abend bei Schneevoigts gewesen. Zu Hause still und leise umgezogen und auf
und davon. Mit Herbert zum Schützenhaus. Als ob ich so etwas geahnt hätte,
daß ich heute unter allen Umständen fort mußte; ich habe Inge getroffen. In
einem bildhübschen Kostüm. Ein paar wunderschöne Stunden verbracht.
Sterczenkis waren auch da. Sie haben nur den Kopf geschüttelt über diese
diese weiße Rose; wie sie mir nachher sagten.
12.2.1947
Gegen Abend mit Inge spazieren gegangen. Sie hat mit versprechen müssen,
öfters rüber zu kommen. Abends die bisher längste Stromsperre gehabt. Von
17 - 20 Uhr. Ich habe mich ins Bett gelegt.
13.2.1947
Nicht zur Schule gefahren. Die verfluchte Kälte. Abends wieder so lange
Stromsperre. Mit Herbert während dessen Kneipen gegangen.
14.2.1947
Schnee, Hunger, Kohlenmangel wo man hinsieht. In die Wälder eine richtige
Völkerwanderung.
15.2.1947
F.z.S. -2°C. Ein Jammer. Abends bei Sterczenskis Karten gespielt.
16.2.1947
Die Kälte nimmt immer noch zu. Temperaturen bis -20°C. Die Tanzsäle haben
auch keine Kohlen.
17.2.1947
Abends mit Inge das Kino besucht. "Peter der Große." Der erste russische
Film, der Eindruck auf mich gemacht hat. Es war schön.
18.2.1947
Heute schneit es. An diesen inter wird wohl später jeder denken.
19.2.1947
Abends mit Inge ins Kino gehen wollen. Keine Karten mehr bekommen. Auf der
Straße gewesen. Die Temperatur ist etwas gestiegen, dafür schneit es aber
unaufhörlich.
20.2.1947
Alles ist belämmert. Der Winter will nicht weichen. Es schneit wie toll. Jeder
verkriecht sich in die wärmste Ecke.
21.2.1947
Verfluchre Langeweile. Am Dienstag fahre ich aber nach Köthen. Damit man
endlich mal rauskommt aus diesem stoischen Trott.
22.2.1947
In der Nacht ein unheimlicher Schneefall. Die Temperaturen sin auf -5°C
angestiegen. Ein Lichtblick! Abends 30 Pfund Rohzucker beschafft. Umgerechnet
pro Flasche 80 RM sind das 2400 RM. Ich bekomme jedoch noch mehr. Mein
Geldbestand beträgt z.Zt. 4500 RM. Wenn man nur wüßte wie alles kommt.
Meiner Ansicht nach ist es zu Hause sicherer.
23.2.1947
Den Zucker zugriffssicher auf dem Boden verstaut. Ist ein ganz schöner Schwung.
24.2.1947
Schnee wieder in rauhen Mengen. Ich weiß nicht, wie es werden soll, wenn
plötzlich Tauwetter eintritt. Wehe dann, wenn die Dämme nicht halten.
25.2.1947
Zur Schule gefahren. Eine Saukälte. Da bekommt man 2 Brötchen und Schularbeiten
und dann kann man wieder gehen.
26.2.1947
Früh nach Steutz für Schneevoigts gefahren. Gegen Abend bei Naumanns den
Schrankhandel abgeschlossen.
27.2.1947
Früh Schularbeiten und Brötchen in Empfang genommen. Nach Hause gelaufen.
Nachmittags den Schrank mit Herbert geholt. Abends die Geräte eingeräumt.
Der Alte hat mit Sterczenskis Krach, weil sie Schnaps kochen wollen. Er duldet
nicht, daß der Sprit verscheuert wird. Wenn der wüßte! Er wird immer grilliger.
28.2.1947
Großreinemachen im Labor. Jetzt habe ich wenigstens Platz.