1.4.1947
F.z.S. Nachmittags in Köthen einen Film +ber den Nürnberger Prozeß
angesehen. "Gericht der Völker". Ein Film, der jeder Beschreibung
spottet. Die gemeinsten Worte werden gegen unsere Führer geschleudert.
Sogar ihre Leichen werden noch gezeigt.
2.4.1947
F.z.S. Von 2 Pfund Zucker Maische angesetzt.
3.4.1947
Nachmittags mit Bernhard nach Köthen gefahren. Nach Beendigung der
Besorgungen ins Kino gegangen. "Die Jugend des Dichters". Ein Film
über die Jugendzeit des russischen Dichters Puschkin. Onkel Fritz ist aus
Hamburg gekommen. Hat eventuell ein Schnapsgeschäft mitgebracht. Pro
Flasche 300 RM. Ein fetter Happen.
4.4.1947
Karfreitag
Früh bei Onkel Fritz gewesen. Nachmittags nach Dessau gefahren. Inge
besucht. Mit ihr zurückgefahren. Abends mit ihr spazieren gegangen.
Anschließend bei Lisbetz zum Geburtstag gewesen.
5.4.1947
Früh im Garten mit am Staket gearbeitet. Gegen Mittag hat Onkel Fritz
mich in meiner "Giftbude" besucht. Nachmittags mit Bernhard nach
Köthen zum "tapferen Schneiderlein" gefahren.
6.4.1947
Ostersonntag
Nachmittags in der Stadt gewesen. Abends mi Herbert zum Schützenhaus
gegangen.
7.4.1947
Ostermontag
Nachmittags in der Tanzstunde angemeldet. Abends bis 1 Uhr mit Herbert
im Schützenhaus gewesen.
8.4.1947
Nachmittags bei Onkel Fritz gewesen. Heute haben wir aus Amerika ein
Liebesgabenpaket erhalten.
9.4.1947
F.z.S. Nachmittags rumgewurstelt.
10.4.1947
F.z.S. In Moskau wird gehandelt und gefeilscht.
11.4.1947
F.z.S. Jetzt soll nun doch eine provisorische deutsche Regierung
gebildet werden. Alles Zirkus.
12.4.1947
F.z.S. Wasser destilliert. Abends bei Schneevoigts Skat gespielt.
13.4.1947
Es herrscht ein herrliches Frühlingswetter. Wasser destilliert. Onkel
Fritz braucht für seine Akkumulatoren 10 Liter. Außerdem wird vor Pfingsten
eine Großfabrikation gemacht. Dazu brauche ich zum Verdünnen destilliertes
asser.
14.4.1947
F.z.S. Abends den Rübengeschmack aus Sprit besiegt.
15.4.1947
F.z.S. Wunderbares Wetter. Alles beginnt zu grünen.
16.4.1947
F.z.S. Nachmittags Muttis Geburtstag gefeiert. Dann mit Onkel Fritz
spazieren gegangen.
17.4.1947
F.z.S. Nachmittags experimentiert.
18.4.1947
Zwei Jahre nun schon Knechtschaft. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Onkel
Fritz in meine Desillationsgeheimnisse eingeweiht. Zuckermaische und
Wasser destilliert. Von 10 Pfund Maische zur Pfingstdestillation
angesetzt.
19.4.1947
F.z.S. Abends mit Onkel Fritz kneipen gegangen. Er ist wie mein zweiter
Vater.
20.4.1947
Führergeburtstag. Möge Gott, daß seine Idee wieder die Oberhand kriegt
und das bolschewistische Saupack zertritt. Heute sind in den Westzonen
Landtagswahlen. Die Wahlbeteiligung sehr gering. 50-60%. Nachmittags
Onkel Fritz noch mal besucht. Morgen früh fährt er wieder weg.
Hoffentlich knüpft er in Hamburg Geschäftsbeziehungen an. Abends ein
Weilchen im Schützenhaus gewesen.
21.4.1947
F.z.S. Nachmittags Wege erledigt. Der amerikanische Außenminister erwägt
bei einem negativen Ausgang der Moskauer Konferenz, was bisher der Fall ist,
eine Teilung Deutschlands.
22.4.1947
F.z.S. Das schöne Wetter scheint zu Ende zugegehen.
23.4.1947
Von 4 Pfund Maische angesetzt.
24.4.1947
F.z.S. Von 12 Pfund die letzte Maische zur Pfingstdestillation angesetzt.
Abends mit Herbert zur Tanzstunde gegangen.
25.4.1947
F.z.S. Mein Verhältnis mit Inge geht voraussichtlich durch ihre Schuld
in die Binsen. Schade! Es ist ein nettes Mädel.
26.4.1947
F.z.S. Die deutschen Kriegsgefangenen sollen erst im Dezember 1948
entlassen werden. Eine Affenschande!
27.4.1947
Früh im Garten gearbeitet. Nachmittags über Elbe tanzen gewesen.
Abends zum bunten Abend gegangen.
28.4.1947
F.z.S. Die Moskauer Konferenz ist zu Ende. Effekt trotz grüßer Faselei
praktisch gleich Null. Es ist für uns schon wieder ein Paket aus
Amerika im Anmarsch.
29.4.1947
F.z.S. Meine Befürchtungen vom 25. haben sich glücklicherweise nicht
erfüllt. Gegen Abend mit Inge spazieren gegangen. Dabei unseren Streit in
sanfter Weise geklärt. Man kann schon sagen: Liebe wird durch Krach
erneuert.
30.4.1947
F.z.S. Die Proletenwelt bereitet den 1. Mai vor. Abends konzentrierter
Wahnsinn in Gestalt eines "Fackelzuges" der Schulkinder.