1.6.1947

Korke im Mittagszug noch wiedergefunden. Das Glück hat nur der Dumme.
Mathematik getrieben. Ich muß im Juli mitkommen. Das Pech wäre ungeheuer.

2.6.1947

F.z.S. Es ist furchtbar heiß. Die Felder haben Regen dringend nötig.
Nachmittags in der Brauerei gearbeitet. Anschließend gebadet.

3.6.1947

F.z.S. Bei 32°C einen Aufsatz geschrieben. Furchtbar! Nachmittags
Baden gewesen. Man hat zu nichts Lust.

4.6.1947

F.z.S. Nachmittags mit einer ganzen Meute Baden gegangen. Mit Inge
habe ich nun doch Schluß gemacht. Sie läßt sich dar nicht sehen.
Ich weiß nicht was mit ihr los ist. Zumindest hätte sie mal schreiben
können. Es laufen ja so viel hübsche Mädels herum. Und der Endeffekt
ist der beste: Überhaupt keine! Erst mal die Schule. Abends ein heftiges
Gewitter. Es war höchste Zeit.

5.6.1947

F.z.S. Nachmittags in der Brauerei gearbeitet.

6.6.1947

Heute sollen wir eine Ziegelei in Wulfen besichtigen. Ist nichts
besonderes dran. Von 11 - 16:30 Uhr meine Maische vom 17.5. destilliert.
3,75l 32% und Verbrauch von 6,5 kWh. Abends Brauerei sauber gemacht und
dann mit Herbert und seiner zukünftigen Freundin spazieren gegangen.
Da sind drei richtige zusammen: braun durch und durch, aber nicht von
der Sonne.

7.6.1947

F.z.S. Nachmittags Sprit gefiltert. Einen Versuch zur Genießbarmachung
von Siedlerstolztabak gemacht.

8.6.1947

Ein langweiliger Sonntag. Angefangen Sprit zu filtern. Abends ein
Weilchen im "Bär" gewesen.

9.6.1947

F.z.S. Eine Menge Wege erledigt. Der bayrische Ministerpräsident
Dr. Erhardt hat vor einiger Zeit eine Einladung an alle deutschen
Verwaltungsorgane der Länder und Provinzen zu einer Konferenz in
München geschickt. Die Häuptlinge der Ostzone sind hingekommen und
werden gleich ihre Forderungen, die der SED, vorgebracht haben. Daß
sie damit nicht durchkommen würden, konnten sie sich auch schon hier
überlegt haben. Sie sind dann gleich wieder abgefahren, eine Flut von
Hetzreden und Flüchen von sich gebend. Wie es sich für Proleten
gehört.

10.6.1947

F.z.S. Nachmittags in der Brauerei gearbeitet. Von 8 Pfund angesetzt.

11.6.1947

F.z.S. Nachmittags in der Brauerei gearbeitet.

12.6.1947

F.z.S. Nachmittags mit Herbert und Ursel in Köthen ins Kino gegangen.
"Große Feiheit Nr. 7". Ein echter deutscher Film.

13.6.1947

F.z.S. Abends zur Tanzstunde gewesen. Anschließend mit Herbert und
Ursel nach dem Dreieck gegangen. Karrussel gefahren. In Ursel könnte
ich mich verlieben. Wenn nicht Herbert der glückliche Besitzer wäre,
würde ich sie schon haben. Denn meine Symphatie wird erwidert.

14.7.1947

Früh nach Köthen gefahren. Abends mit Herbert Karrussel gefahren.

15.6.1947

Vormittags Kartoffelkäfer suchen müssen. Nachmittags über Elbe tanzen
gewesen. Abends am Dreieck gewesen. Inge getroffen. Bis um 11 Uhr im
Bär gewesen.

16.6.1947

F.z.S. Nahmittags gebraut.

17.6.1947

Der Ministerpräsident von Sachsen ist gestorben. Eine Märe wird gemacht,
als wenn der liebe Gott selber tot wäre.

18.6.1947

F.z.S. Abends zur Tanzstunde.

19.6.1947

F.z.S. Der amerikanische Außenminister Marshall hat einen Plan zur Behebung
der Not inEuropa durch Dollaranleihen seitens Amerikas ausgearbeitet. In
Paris soll darüber debattiert werden.

20.6.1947

Früh nach Köthe gefahren. Gebrüll im Proletenlager über den
monopolkapitalistischen Plan.

21.6.1947

Früh nach Köthen gefahren. Nachmittags Likör fertig gemacht. Abends mit
Herbert zum Kostümfest unserer Tanzstunde. Eine angeheiterte Stimmung.
Vor allem als um 11 Uhr eine Lichtstörung durch Gewitter eintrat.

22.6.1947

Nachmittags bei Sandmanns und abends im Bär schwoofen gewesen. So
langsam muß ich mir das wieder abgewöhnen.

23.6.1947

F.z.S. Nachmittags elektrische Sachen auf dem Boden wieder geordnet.
Es wird was gebraucht, gesucht, rumgewühlt und - es bleibt so liegen.

24.6.1947

F.z.S. In Paris scheitert der Marshall-Plan an dem Starrsinn Moskaus.

25.6.1947

F.z.S. Abends zur Tanzstunde.

26.6.1947

F.z.S. Die Konferenz ist aufgeflogen. Es ist aber schon eine neue anberaumt.

27.6.1947

F.z.S. Es ist eine Affenhitze.

28.6.1947

Heute ein beschissender (pardon, aber es ist so!) Tag. Herbert haben sie
beim Radioverkaufen geschnappt. Dabei ist mein Zigarettenhandel auch mit
rausgekommen. In Köthen zur Kripo. Erst die Radios aus dem Auto geladen.
Dabei "unglücklicherweise" demoliert. Die Röhren sind hin. Kripo kann sie
auch nicht mehr verschieben. Ein Trost. Dann eine Stunde gewartet. Jetzt
wird Herbert verhört. Drei Stunden. Eine Qual so warten zu müsssen. Ebenso
Herberts Radiolieferant, der ebenfalls mit festgenommen ist. Dann kommt
Herbert wieder. Und nun Becker zum Verhör. Währenddes Herberts Aussagen
entgegengenommen. Dumme Polizei! Auch belastende Stücke habe ich um die
Ecke gebracht. Ja,ja, die starke Hand des 4. Reiches! Und dann ich zum
Verhör. Alles dasselbe wie Herbert. Haben die dumm geguckt. Für so "ehrlich",
daß wir alles aussagen, haben sie uns nicht gehalten. Die Protokolle
strotzen vor grammatischen Fehlern. Nicht mal die Personalien haben
sie festgestellt. Jetzt nach Hause. Becker bleibt in Haft. Haussuchung
war auch. Aber Mutti hat von Herberts Vater Wind bekommen und alles
mögliche und unmögliche beiseite geschleppt. Nötig war's nicht; denn
vom Labor hatte der "Vertreter des Reiches" keine Ahnung. Meinen kleinen
Radioapperat hat er bekritelt. Es wäre Wehrmachtseigentum. Hat der
Ahnung von der Ausrüstung der deutschen Wehrmacht! Zu Hause
merkwürdigerweise keinen Staatsakt. Aber mein Labor. Elektrische
Leitungen demoliert. Aufzeichnungen in alle Winde zerstreut. Nachmittags
von Rietzmek Spargel geholt. Anschließend mit Ursel und Christa auf dem
Sportplatz dem Handballspiel Aken - Berlin zugeschaut.

29.6.1947

Nachmittags bei Sandmanns gewesen.

30.6.1947

Vormittags der Kripo in Köthen einen Trostpreis übergeben. 451 Mark.
"Das ganze Geld meiner Geschäfte".