1.8.1947
Gebummelt. Aber regelrecht.
2.8.1947
Ich will nach Hamburg fahren. Papa hat wieder 1000 Hindernisse in den
Weg gelegt.
3.8.1947
Nachmittags bei Sandmanns gewesen. Abends im Bär einen Fahrplan mit
Herbert und einz ausgeklügelt.
4.8.1947
Spritpakete abgeschickt. Sonstige Vorbereitungen getroffen.
5.8.1947
Ich darf nicht nach Hamburg. Angeblich weil die Grenze zu überschreiten
gefährlich ist, weil ich in Hamburg "keinen Bescheid wüßte" usw. In
Wirklichkeit weil ich zu Muttis Angehörigen fahre, hauptsächlich zu
Onkel Fritz, darum eben nicht. Weil er genau weiß, daß ich jetzt mehr
schon zu Onkel Fritz stehe als zu ihm, diesem ewigen Quengelpeter und
Isegrim. Nun hat er ganz und gar verschissen, das kann er sich so
langsam klarmachen. Vorläufig liegt eisiges Schweigen zwischen den
Fronten, aber bald, wenn er mir Ferienarbeit aufgeben will, wird
die Schlacht losgehen. Da bekommt er vielleicht was zu hören! Abends
ins Kino. "Große Freiheit Nr. 7".
6.8.1947
Heute gehen nun Herbert und Heinz ins englische Gebiet. Dieser Kloß
von Vater.
7.8.194
Fürchterliche Langeweile. Jetzt könnte ich schon auf dem Kahn sein.
8.8.1947
Nachmittags in der Stadt Wege besorgt.
9.8.1947
Holzverzuckerung durchgeführt. Zum ersten Mal die Säure rausgekriegt.
Abends elektrische Kochwer vervollkommt.
10.8.1947
Vormittags experimentiert. Nachmittags über Elbe zum Tanz gewesen.
Abends mit Erna auf dem Dreieck auf dem Volksfest ein paar schöne Stunden
verbracht. Dieses Mädel werde ich mal für mich gewinnen. Hat einen
tadellosen Charakter. Nachdem ich sie nach Hause gebracht habe noch bis
1/2 12 Uhr im Bär gewesen.
11.8.1947
Experimentiert. Mir fehlt Salzsäure. Den Alten bettele ich nicht an.
12.8.1947
Nachmittags nach Köthen gefahren. Einkäufe erledigt.
13.8.1947
Ein Zirkus besucht Aken. Man weiß gar nicht, wo man das Geld zuerst
hinbringen soll. Nachmittags mit Bernhard, abends allein hingegangen.
14.8.1947
Man rast in der Stadt nach Salzsäure herum, nichts zu machen. Abends
aus Langeweile den Zirkus besucht. Die Leute geben sich bestimt große
Mühe; aber das schönste fehlt: die Raubtierdressuren.
15.8.1947
Nach Magdeburg gefahren. Die Lage mal studiert: trostlos
16.8.1947
Gegen Mittag für Hädickes nach Köthen gefahren. Abends gebadet.
17.8.1947
Heute hat es schon wieder Krach im Hinterhaus gegeben. Ich lasse mir
nichts mehr gefallen. Nachmittags mit Erna über Elbe zum Tanzen gewesen.
Abends im Bär gewesen.
18.8.1947
Es herrscht eine drückende Hitze. Um 7 Uhr mit Erna und Christ uns Kino
gegangen. Die blöde Eifersucht! "Razzia". Marshall Solowsky hat nun
endlich die Richtlinien über die Entnazifizierung in der Ostzone
bekanntgegeben. Eine Aufregung darüber. Naja, die Zeitungen in unserer
Zone haben ja nun wieder für 14 Tage zu tun. In Hannover hat die Bizone
eine Exportmesse eröffnet. Ohne die Ostzone! Wir werden "drüben" als
Ausländer angesehen. Die Politik geht jetzt schon in zwei, vielleicht
sogar drei Richtungen. Eine Hetze im Rundfunk gegen Ost und West. Jeder
pflaumt den anderen an. England, Amerika und Frankreich verhandeln über
das Ruhrgebiet. Der Iwan zetert. Das Fabrikationspotential soll entgegen
den Potsdamer Beschlüssen gesteigert werden, unter Zuhilfenahme des
Marshall-Planes. Es soll eine Waffenschmiede der USA in Europa gegen den
Osten sein und, was für uns weniger erfreulich ist, eine amerikanische
Finanzbastion. - Aber besser noch als "in die Hände des Volkes gelegt".
Hier teilen sich auch die westlichen Geister. Frankreich sieht darin
wieder eine Bedrohung seiner Grenzen durch die bösen Deutschen. Und
England steht vor dem Bankrott. Es hat eben, obwohl es dies nicht
eingestehen will, seine Weltmachtstellung an den Dollar verloren. Eine
Dollaranleihe jagt die andere, sie gehen auf wie warme Butter.
19.8.1947
Einen elektrischen Kocher für Onkel Fritz gebaut.
20.8.1947
Experimentiert. Heute habe ich eine Flasche Salzsäure ergattert.
21.8.1947
Solvay-Soda-Verfahren durchgeführt. Abends in der Stadt gewesen. Eine
riesige Aufregung der Proletenwelt über die Ruhrkonferenz.
22.8.1947
Die Versuche fortgesetzt.
23.8.1947
Holzverzuckerung wieder versucht. Diesmal zersetzt Hefe die Lösung
und Kohlendioxydabspaltung.
24.8.1947
Früh Labor sauber gemacht. Nachmittags mit Erna über Elbe tanzen gegangen.
Ihre Eltern waren auch eine Zeit da. Herbert ist wieder eingetrudelt.
Abends Wiedersehen im Bär gefeiert. Mal wieder ziemlich lustig gewesen.
Mit Erna geht alles o.k.
25.8.1947
Nachmittags mit Christa Kartoffelkäfer "gesucht".
26.8.1947
Holz gesägt und gehackt.
27.8.1947
Gegen Abend mal zur Elbe geschaut. Sieht aus wie ein großer Bach.
28.8.1947
Tante Lieschen ist gekommen. Die haben in Hamburg gewartet. So ein Esel.
Kein Tröpfchen Regen. Eine Hungerkatastrohe steht vor der Tür.
29.8.1947
Früh bei Tante Liesbeth gewesen. Zu Hause brennt kein Licht. Das
Monatskontingent ist alle.
30.8.1947
Früh Wege besorgt. Abends zum Schwoof gewesen. Zu Hause sitzen sie
im Finstern. Ich kann ja was liefern. Tue es aber nicht, bin eben auch
Dickkopf.
31.8.1947
Nachmittags mit Erna über Elbe gewesen. Abends im Be-Ho den letzten
Feriensonntag bis 12 Uhr ausgekostet. Nun heißt es an die Gewehre! Die
letzte Schlacht. Abends ausgehen fällt bis auf einige Ausnahmen flach.
Ich habe ja ein Mädel, das abends auch nicht weggeht. Dann kann man ruhig
zu Haus bleiben. Ich habe das Schwoofen auch satt. Erna sieht es auch nicht
gern. Es läßt sich ja verstehen.